Gottesmutter Eleusa

Die Ikone der Mutter Gottes

Ikonen vom Beginn Susdals

In der Susdaler Malerei des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts sind noch Wesenszüge zu spüren, die sie mit der Kunst vor dem Einfall der mongolisch-tatarischen Horden verbindet, wie verlängerte Proportionen, feine Gesichtszüge mit mandelförmigen Augen, in sich selbst vertiefter Blick. Diese Wesenszüge sind auch einem der frühesten Denkmäler der Susdaler Kollektion, der Ikone "Gottesmutter Eleusa" ("Die Barmherzigkeit Schenkende") eigen. Jedoch unterscheidet sie sich von den entsprechen- den byzantinischen Vorbildern durch größere Ungezwungenheit, Intimität und tiefe trauernde Kraft.

Gottesmutter Eleusa Ikone


Unter den der Gottesmutter gewidmeten Werken, deren Kult bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts begann und in der Kunst Wladimir- Susdals eine große Weiterverbreitung fand, fällt besonders die Ikone aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts "Gottesmutter Eleusa mit ausgewählten Heiligen" auf.

Das Hauptthema der Ikone ist die Mutterschaft. Aber der Künstler unterstreicht nicht das Glück der Mutter, das von der Schönheit und Gesundheit ihres Kindes herrührt, sondern das Bestreben, ihre Liebe zu ihm auszudrücken, ihre Güte und Fähigkeit zur Selbstaufopferung.

Die "Eleusa" ist ein Werk hoher künstlerischer Meisterschaft. Ausdrucksstark sind die Silhouetten der Gottesmutter und des Kindes, elegant und verlängert die Proportionen der Figuren, wunderschön das Kolorit der Ikone, das sich auf der Verbindung von ruhigen und leuchten- den Farbtönen aufbaut. 22 Medaillons mit Darstellungen von Heiligen auf den Ikonenfeldern bilden einen schönen polychromen Rahmen um die Figur der Gottesmutter und des Kindes. Alle Heiligen besitzen individuelle Charakterzüge. Jedes Medaillon hat seine eigene Farbzusammenstellung, die sich dem Gesamtkolorit unterordnet.

Ohne den Rahmen des strengen Kanons zu verlassen, hat es der Maler vermocht, ein Kunstwerk zu schaffen, das uns durch die lebensnahe Wahrheit der Gestalten, die Vollkommenheit der Farbgebung sowie die Tiefe und Angespanntheit des Ausdrucks von Trauer, Liebe und Barmherzigkeit anzieht. Durch besondere Inspiration, vollendete Komposition, exklusives Kolorit, das sich aufbaut auf der Relation von hellbraunen, roten und weißen Farbtupfen, durch die feine Kunst der Ornamentation hebt sich die Ikone "Maria Schutz und Fürbitte" hervor, ein wahrer Schatz der russischen humanistischen Kultur.

Die Ikone schmückte einst das Innere des Pokrow-Klosters und gehörte zu den verehrtesten Susdaler Reliquien.

Das Werk wird interpretiert als Hymne der Gottesmutter, die das Volk zum Zeichen des Schutzes und der Fürbitte mit ihrem Omophorium (Pokrow) segnet. Im Mittelalter war die Legende von der Fürbitte der Gottesmutter dem russischen Menschen, der durch endlose Feudalkriege, feindliche Invasionen und Elementarereignisse gemartert war, nah und verständlich.


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